Vertrautes Ambiente

Der Heinrich-Schütz-Saal auf dem Kirchengelände und das Seminar für kirchlichen Dienst, zu dessen Wegbereitern ebenfalls Volker Ochs gehörte, sind das vertraute Ambiente und bieten ideale Bedingungen für Proben, Unterkunft und Freizeit. Dennoch ist in diesem Jahr manches anders, denn Ochs’ Nachfolger, Lothar Kirchbaum, der Ende der 90er Jahre nicht nur den Posten des Singwartes der evangelischen Landeskirche, sondern auch die organisatorische und künstlerische Leitung der Singwochen übernahm, ist nun selbst in Rente. Dass seine Nachfolgerin nicht mehr mit dieser Aufgabe betraut wurde, nahmen die Teilnehmer der letzten von Kirchbaum im vergangenen Jahr geleiteten Singwoche ungläubig zur Kenntnis.

Da auch die Zukunft des kirchlichen Seminars ungeklärt ist, nahmen die Singwochenteilnehmer die Geschicke selbst in die Hand und gründeten im Herbst vergangenen Jahres einen eigenen Verein, der sich um die Akquise von Fördergeldern, um die Gewinnung von Dozenten und um die Organisation vor Ort kümmert. Die große Hoffnung ist, dass sowohl das Seminar als Quartier erhalten bleibt, als dass man auch seitens der Landeskirche den großen Stellenwert der Singwochenarbeit erkennt und durch personelle und finanzielle Förderung anerkennt. Um auch kinderreichen Familien und/ oder Menschen mit geringem Einkommen die Teilnahme zu ermöglichen, hat die Potsdamer Wilhelm-von-Türk-Stiftung in diesem Jahr einen Großteil der Finanzierung übernommen.

Schon als Kind dabei, als Großmutter immer noch

Wie ungebrochen groß das Interesse ist, hat sich in diesem Jahr erneut bei der Anmeldung gezeigt. „Seit fast 50 Jahren sind bei der Familiensingwoche noch nie Plätze freigeblieben“, sagt Claudia Silter, die als Kind zum ersten Mal mit dabei war, als junge Frau und später als junge Mutter dabei blieb und inzwischen mit Mann, Töchtern und Enkelkindern bei jeder Singwoche mit dabei ist. Keine 12 Stunden, nach dem der Singwochen-Verein den neuen Termin auf seiner Webseite bekannt gab, waren alle Plätze vergeben.

„Gemeinschaft in dieser Form zu erleben, ist selten“, schwärmt Isabella Schöne, die als Jugendliche zu den regelmäßigen Teilnehmern der Dahmer Orchesterwoche gehörte und seit vielen Jahren als Musikerin zum Dozententeam der Singwoche gehört. „Anders als auf Kursen, wo es um musikalisches Hochleistungsniveau geht, geht es hier um die Gemeinschaft von Jung und Alt, von Spitzenmusikern und Laien, um den kleinen Saxophonisten, der sich zum ersten Mal ein Solo traut, weil ihm die anderen Mut gemacht haben und um das Kind, dessen Behinderung in der Gruppe gar nicht mehr auffällt“, sagt Schöne. Denn auch die Singwoche braucht natürlich Instrumentalisten. Sänger, die ein Instrument beherrschen, sind daher besonders gerne gesehen.

Kantate zum Mutmachen

Im Mittelpunkt der diesjährigen Singwoche steht die von Uwe Krause verfasste Kantate über die Freundschaft zwischen schwarzem Schaf und weißem Wolf, die Mut machen soll zum Anderssein. passende Psalm-Vertonungen, Choräle und Instrumentales ergänzen das Programm, dass am Sonnabend um 19.30 Uhr in der Marienkirche, sowie in Auszügen auch beim Gottesdienst am Sonntag zu erleben sein wird.

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Von Uwe Klemens

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