“Seit fast 50 Jahren sind bei der Familiensingwoche noch nie Plätze freigeblieben.”

Claudia Silter, Teilnehmerin

Der Schütz-Saal auf dem Kirchengelände und das Seminar für kirchlichen Dienst sind das vertraute Ambiente und bieten ideale Bedingungen für Proben, Unterkunft und Freizeit. Dennoch ist in diesem Jahr manches anders, denn Ochs’ Nachfolger Lothar Kirchbaum, der Ende der 90er Jahre als Landessingwart die Leitung der Singwochen übernahm, ist nun selbst in Rente. Dass seine Nachfolgerin nicht mehr mit dieser Aufgabe betraut wurde, nahmen die Teilnehmer der letzten noch von Kirchbaum geleiteten Singwoche ungläubig zur Kenntnis.

Da auch die Zukunft des kirchlichen Seminars ungeklärt ist, nahmen sie die Geschicke selbst in die Hand und gründeten im vergangenen Herbst einen eigenen Verein, der sich um Fördermittel, um Dozenten und um die Organisation vor Ort kümmert. Die große Hoffnung ist, dass sowohl das Seminar als Quartier erhalten bleibt, als dass man auch seitens der Landeskirche den großen Stellenwert der Singwochenarbeit erkennt und fördert.

fsw2018 maz

Kantorin Andrea Kulin ist seit zehn Jahren mit dabei und leitet den Erwachsenen- und den Gesamtchor.

Wie ungebrochen groß das Interesse ist, hat sich in diesem Jahr erneut bei der Anmeldung gezeigt. „Seit fast 50 Jahren sind bei der Familiensingwoche noch nie Plätze freigeblieben“, sagt Claudia Silter. Sie war als Kind erstmals mit dabei, blieb es als junge Frau und später als junge Mutter und nimmt inzwischen mit Mann, Töchtern und Enkelkindern teil. Keine zwölf Stunden nach Bekanntgabe des neuen Termins waren alle Plätze vergeben.

„Gemeinschaft in dieser Form zu erleben, ist selten“, schwärmt Isabella Schöne, die als Jugendliche zu den regelmäßigen Teilnehmern der Dahmer Orchesterwoche gehörte und inzwischen als Musikerin zum Dozenten-Team der Singwoche gehört. „Anders als bei Kursen, wo es um musikalisches Hochleistungsniveau geht, geht es hier um die Gemeinschaft von Jung und Alt, von Spitzenmusikern und Laien, um den kleinen Saxofonisten, der sich zum ersten Mal ein Solo traut, weil ihm die anderen Mut gemacht haben und um das Kind, dessen Behinderung in der Gruppe nicht mehr auffällt“, sagt Schöne. Denn auch die Singwoche braucht Instrumentalisten, weshalb Sänger mit Instrument besonders gerne gesehen sind. Im Mittelpunkt der diesjährigen Singwoche steht die von Uwe Krause verfasste Kantate über die Freundschaft zwischen schwarzem Schaf und weißem Wolf, die Mut machen soll zum Anderssein.

Psalm-Vertonungen, Choräle und Instrumentales ergänzen das Programm, dass am Sonnabend um 19:30 Uhr in der Marienkirche, sowie in Auszügen auch beim Gottesdienst am Sonntag zu erleben sein wird.

Artikel und Fotos von Uwe Klemens (erschienen am 02.08.2018 in der MAZ)

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